Lebensmittel, Müllproduktion, Nachhaltigkeit, Trinken

Lebensmittel – Kaffeekapseln

Das Thema „Lebensmittel“ ist im Bereich „Nachhaltigkeit“ ein großes und wichtiges Thema.
Deshalb möchte ich gern langsam beginnen.
Mit einfachen, nachvollziehbaren Dingen, die nicht viel Kraft kosten und uns nicht direkt in ein moralisches Desaster stürzen.

Beginnen wir also mit Kaffeekapseln.

Was sind diese Kapseln und welche Probleme bringen sie mit sich?

Die kleinen bunten Dinger, die von George Clooney regelmäßig in die TV Kamera gehalten werden, richten sich vor allem an eine Gruppe: Einzelhaushalte.
Das ist auch erstmal okay so.
Denn durch die portionierten Mengen wird sehr wahrscheinlich eine erhebliche Lebensmittelverschwendung verhindert.

Aber…

Umwelt

Die Kapseln sind aus Aluminium und lassen sich daher super in der gelben Tonne recyceln. Leider landen dennoch jährlich Millionen davon im Restmüll.
Aluminium wird außerdem in einem energieintensiven und umweltschädlichen Prozess hergestellt.

-> Aus einem Kilogramm Aluminium, gewonnen aus Bauxit, lassen sich etwa 1.000 Alukapseln erstellen.
Klingt erstmal ordentlich.

Rechnet man aber aus, dass derzeit pro Jahr gut acht Milliarden Kapseln verkauft werden, benötigen wir also mindestens 8 Millionen Kilo Aluminium.
Der durchschnittliche Kaffeetrinker verursacht demzufolge mit Kapselmaschinen jede Minute (!!!) mehr als 15 Kilogramm Aluminium-Abfall.
Der Bauxit Abbau, der Stromverbrauch, die Regenwaldabholzung, die Landschaftszerstörung und die Rotschlamm-Entstehung sind dabei noch nicht mal berücksichtigt.

Herstellung von Aluminium aus Bauxit.


Wo wir gerade beim Herstellungsprozess sind: der Kaffee der Nespresso Kapseln ist nach „AAA Sustainable Quality Programm“ zertifiziert.
Das heißt, Nespresso möchte mit Hilfe dieses Programms ihre Produkte nachhaltig und ökologisch produzieren.
Die Kriterien dabei sind aber leider weitaus schwächer als zum Beispiel eine Bio-Zertifizierung. Demnach ist der Einsatz von Agrochemikalien erlaubt (also Pestizide und synthetische Dünger).

Natürlich sollten wir dabei auch den sozialen Aspekt anschauen. Nespresso hat dafür das „AAA Farmer Future Program“ ins Leben gerufen. Dieses Programm soll mit staatlicher Hilfe den Pensionsplan der Bauern sichern. Das heißt, sie bekommen jährlichen einen Zuschuss von 20 % ihrer Pensionsersparnisse.
Kaffee unterliegt jedoch extremen Preisschwankungen und ein sicherer Preis, der die Bauern davor schützt, ist in diesem Programm nicht vorgesehen.

Preis

Die Deutschen scheinen beim Thema Kapselkaffee plötzlich gar nicht mehr so sehr auf das Geld bedacht zu sein.
Nespresso Kapsel kosten im Schnitt 35 Cent pro Stück. (andere Hersteller liegen da ähnlich)
Laut Herstellerangabe befinden sich in einer Kapsel fünf bis sieben Gramm Kaffee. Gehen wir in folgendem Beispiel von 7 Gramm aus.

– Kapselkaffee
7 Gramm = 35 Cent
500 Gramm = ca. 24.99 Euro

– normaler Filterkaffee
500 Gramm = ca. 3,49 Euro

– Bio Kaffee
500 Gramm = ca. 4,75 Euro

– Fair Trade & Bio Kaffee
500 Gramm = ca. 8,00 Euro

Ist es das wert? Drei mal so viel zu bezahlen für einen Kaffee der weder Bio, noch Fairtrade ist und darüber hinaus horrende Mengen an Müll verursacht?

Müll

Wenn man die 8000 Tonnen Kapselmüll, die jährlich in Deutschland produziert werden, aneinander reihen würde, könnte man die Erde über fünf Mal umrunden.
(Der Umfang der Erde beträgt etwas mehr als 40.000 km)

Wie oben schon einmal erwähnt sind die Kapseln, laut Herstelleraussage, 100 % recycelbar. Gehören also – befreit von jeglichen Resten – in die gelbe Tonne.
Die Realität sieht aber leider ganz anders aus.
Auf Grund vieler Verunreinigungen wird der Stoff meist vorbehandelt. Durch diese Behandlung sind Materialverluste von bis zu 20 Prozent möglich.

Erfahrungsgemäß landen die kleinen bunten Dinger aber viel häufiger im Restmüll und werden mit anderem Müll verbrannt.
Aluminium oxidiert und geht dabei verloren. Hat also keinerlei Nutzen mehr.

-> Biologisch abbaubare Kapseln sind übrigens auch nicht besser für die Umwelt. Die automatischen Anlagen erkennen diese Stoffe meistens nicht und sortieren sie mit dem Rest aus => werden verbrannt.

Der Verpackungswahn von Nestlé nimmt teilweise abstruse Ausmaße an. Ein neues Kapselsystem, namens „Vertuoline“, die dieses Jahr auf den Markt gebracht wurde, besteht aktuell aus:

– 270g Aluminium und 670g Verpackung auf 1 Kilo Kaffee

Während die EU sich also letztes Jahr auf die Vermeidung von sinnlosem Einwegplastik geeinigt hat, denkt sich Nestlé, sie müssten das Problem mit ihren neuen Maschinen direkt verschlimmern.

Lösungen & Alternativen

Wiederverwendbare Mehrwegkapseln.
Zum Einen wird Geld gespart, zum Anderen verursacht man direkt 14mal weniger Verpackungsabfall.

MyCoffeestar: besteht aus Edelstahl, ist geschmacksneutral und lässt sich mit einem Schraubgewindes öffnen.

Das „Starter Set“ von MyCoffeeStar kommt direkt mit einer Kaffeeprobe.

Für diese Variante braucht ihr feinen bis sehr feinen Kaffee, der möglichst frisch gemahlen ist.
Je nach Maschinenart ist es vielleicht nötig einen Dichtungsring aus Silikon zu verwenden. (Zwei werden mitgeliefert)

Kostenbeispiel von MyCoffeeStar

Es gibt auch andere Alternativen, beispielsweise mit zusätzlichen Plastikteilen, um die ganze Angelegenheit günstiger zu machen, aber wenn man bedenkt, dass wir direkt Geld sparen, wenn wir keinen Kapselkaffee mehr kaufen: möchte ich es gern bei dieser einen Variante belassen.

Sie ist die hochwertige und verlässliche Alternative.

Dennoch würde ich lieber auf kapselfreien Kaffee ausweichen. Eine Nespresso Maschine von Nestlé unterstützt nur weiterhin den Konzern und zeigt durch die Verkaufszahlen, dass solche Produkte eine Nachfrage haben.

Es gibt da natürlich noch die „klassischen“ Varianten, auf die ich heute aber nicht weiter eingehen möchte, sie aber dennoch erwähnt haben wollte:
– Machinenkaffee mit Filterkaffee oder Bohnen
– Pressstempelkanne / French Press
– Espressokocher mit Siebeinsatz
– Kaffee + Wasser


Ich wünsche euch einen schönen Start in die neue Woche und einen tollen Kaffeegenuss 🙂

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QUELLEN:

Beitragsbild: https://www.flickr.com/photos/49703021@N00/5401913420
Aluminiumherstellung: https://www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/kaffee-kapseln-pads-umwelt-100.html
Nespresso AAA Sustainable Quality Programm: https://www.nespresso.com/de/de/thepositivecup/initiatives/aaa-sustainable
Nespresso AAA Farmer Future Programm: https://www.nespresso.com/de/de/thepositivecup/initiatives/farmer-future
Kapselmüll: https://www.mycoffeestar.com/de/think-green/
Recycling: https://www.duh.de/projekte/kaffeekapseln/
Eigenschaften & Herstellung von Aluminium: http://daten.didaktikchemie.uni-bayreuth.de/umat/aluminium/aluminium.htm
Verpackung: https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/nestles-neue-riesen-kapsel-viel-muell-wenig-kaffee/
Kostenbeispiel mycoffeestar: https://www.mycoffeestar.com/de/viel-geld-sparen/
Alternative Kapseln: https://utopia.de/ratgeber/mycoffeestar-coffeduck-mister-barista-nespresso-kapseln-test/

2 Gedanken zu „Lebensmittel – Kaffeekapseln“

  1. Ich versuche schok seit langer Zeit, meine Mutter davon zu überzeugen, das Nespressogedöns zu lassen… ist sich allerdings zu bequem dazu…

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